10.04.2017  Verfasst von Simon Schröbel in Agile Methoden Agile Transformation  

Eine Symbiose - Design Thinking und agile Produktentwicklung

Wie Methoden des Design Thinking agile Produktentwicklung bereichern

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Wie Methoden des Design Thinking agile Produktentwicklung bereichern

Buzzwords in aller Munde - Design Thinking, Ideation, Rapid-Prototyping. Insbesondere Designer und Vertreter der Kreativindustrie sind in diesem Métier zu Hause. Doch die Methoden aus dem Produktdesign lassen sich auch in der Produktentwicklung anwenden. Gerade in der agilen Produktentwicklung finden sich viele Anknüpfungspunkte.

Im Folgenden werden Komponenten des Design Thinking, sowie Methoden aufgezeigt, die in Verbindung mit agiler Produktentwicklung enorme Wirkung erzielen –  kurze Entwicklungszeiten, hohe Kundenorientierung und sofortiges Nutzerfeedback.

Design Thinking beschreibt eine kreative Methode, Kundenbedürfnisse zu erfüllen, unter Berücksichtigung technischer Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Dies gilt nicht nur für das Produktdesign, sondern auch für das Schaffen von Produkten und Produktinnovationen.
Die d.school der Stanford University unterteilt Design Thinking in fünf Phasen: Empathize, Define, Ideate, Prototyp und Test. Drei dieser Phasen, Ideation, Prototyp und Test,
werden im Folgenden näher beleuchtet, um danach die Verbindung zur agilen Produktentwicklung herzustellen.

Ideation beschreibt die Ideenfindung für Lösungsansätze, die eine Herausforderung adressieren. Dazu gilt es mittels divergentem Denken einen Lösungsraum zu öffnen. Hier haben alle Ideen Platz, insbesondere auch diejenigen die utopisch oder unrealistisch erscheinen. Denn, wer das gewohnte Terrain verlässt kann Neues entdecken und Innovation wird möglich. Gelingen kann dies durch Brainstorming, Brainwriting, Crazy 8s oder eine Idea Wall.
Um aus dem Pool der Ideen machbare Lösungen zu filtern, werden Methoden des konvergenten Denkens eingesetzt. Sei es das Art Museum oder die Heat Map, auch das Voting und konstruktive Diskussion eignen sich um geeignete Lösungen zu identifizieren.

Durch das Prototypen werden die generierten Lösungsansätze greifbar. Hier ist es wichtig nicht die perfekte Lösung zu bauen, sondern einen Prototyp der den Lösungsansatz sichtbar macht. Hierzu eignen sich Mock-Ups, Dummys oder Storyboards, denn der Prototyp muss kein fertiges Produkt sein. Er soll die Produktidee greifbar und teilbar machen, sodass der Prototyp validiert und Feedback eingearbeitet werden kann. Ganz nach dem Prinzip „fail earlier, succeed sooner“. Danach startet der Prozess erneut – Ideate-Prototype-Validate.

Auf das Prototypen folgt die Iteration. Die Wiederholung der vorangegangenen Schritte, der kontinuierliche Prozess der Verfeinerung und Präzisierung des Prototyps.

Bis hierhin ist mittels Design Thinking ein Prototyp entstanden. Nun folgt die Test Phase. Hier wird der Prototyp dem Nutzer vorgestellt. Dazu eignen sich Usability Tests, Interviews und Screenings. Das gesammelte Kunden Feedback wird geprüft und in den Prototypen integriert. Dazu kann es Notwendig sein wieder in die Ideation Phase einzusteigen. Welche Phase erneut durchlaufen wird, muss situativ betrachtet werden.

Um aus dem Prototypen ein valides Produkt zu erzeugen ist er in ein MVP (minimal viable product) zu überführen. Das MVP wird am Kunden verprobt, wie beim Prototyp kann man auch hier die Methoden aus der Test Phase heranziehen.
Dennoch, sollte der Kunde in ein möglichst frühes Stadium der Produktentwicklung integriert werden. Das heißt, auch in den Phasen Ideation und Prototyp können Nutzer integriert werden. Denn agil sein, heißt schnelles Lernen durch den Nutzer.

Design Thinking und Agile stellen beide den Nutzer/Kunden in den Mittelpunkt, im Gegensatz zur klassischen Produktentwicklung. Hier ist oft das technisch perfekte Produkt im Fokus - nicht der Mehrwert für den Kunden.
Mit Methoden des Design Thinking kann der klassische Produktentwicklungszyklus in einem frühen Stadium unterbrochen und an dieser Stelle durch Iterationen Kundenfeedback eingearbeitet werden. Dadurch gelingt eine Produktentwicklung an den Bedürfnissen des Marktes.
Ein Vorgehen, welches mittels kreativen Methoden in kürzester Zeit Produktentwicklungen und Innovationen erfolgreich auf den Markt gebracht hat, ist das SPRINT Konzept. Hierbei wird in einem 5 Tages Prozess, von der Problemstellung, über das Prototypen, bis hin zur Validierung beim Kunden, der Produktentwicklungsprozess auf ein Minimum verkürzt.

Unabhängig von der Methodik sollte der Fokus stets auf die konkrete Problemstellung, die Zielgruppe und den Nutzen gerichtet sein. So trivial dies klingt, so leicht verliert man sich im Tagesgeschäft. Für eine erfolgreiche agile Produktentwicklung, mit den beschriebenen Methoden, müssen die dafür notwendigen Ressourcen, Zeit und Scope klar definiert und verfügbar sein.
Ein Facilitator kann helfen den Prozess zum Erfolg zu führen, denn Design Thinking und agile Produktentwicklung bilden eine Symbiose: Produktinnovation, hohe Kundenakzeptanz, niedrigere Entwicklungskosten und verkürzte Time2Market Zeiten.

Literatur

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