03.11.2015  Verfasst von Lorenzo Peroni und Peter Kalvelage in Agile Methoden  

Nichts ist jemals fertig. Aber bereit für den nächsten Schritt.

Ein Blick auf das Zusammenspiel der beiden Quality Gates "Definition of Ready" (DoR) und "Definition of Done" (DoD) in der Wertschöpfung.

Worin liegt der Unterschied zwischen der Definition of Ready (DoR) und Definition of Done (DoD) im agilen Kontext?

In einem agilen Software-Entwicklungsprozess sollte jede Definition of Done (DoD) einer komplementären Definition of Ready (DoR) im weiteren Verlauf der Wertschöpfungskette entsprechen. Der Unterschied dieser beiden Quality Gates ergibt sich dabei allein aus der Betrachtungsrichtung. Denn ein Arbeitsergebnis ist selten vollständig fertig („done“), sondern lediglich bereit („ready“) für den nächsten Schritt der Verfeinerung.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sitzen in Ihrem Büro. Kollegen aus verschiedenen Projekten kommen an Ihren Schreibtisch und laden ihre Arbeitsergebnisse dort zur Weiterverarbeitung für Sie ab. Bevor Sie sich umsehen können, haben Sie ein meterhohes Backlog vor sich, einen stetig wachsenden Berg unbear-beiteter Papiere, der Ihnen keine Chance lässt, ihn jemals abzuarbeiten.

Was können Sie tun? Wie wäre es, wenn sie die zuströmende Menge von Aufgaben dadurch limitieren, indem Sie nur solche akzeptieren, die einen gewissen Grad an Vollständigkeit und Qualität innehaben: Sie definieren Kriterien, die eingehalten werden müssen, um Arbeit bei Ihnen zu platzieren – Sie lesen richtig: eine „Definition of Ready“ besteht aus Akzeptanzkriterien.

Diese Maßnahme hilft schon einmal, das Wachstum Ihres Backlogs zu verringern. Jetzt können Sie endlich damit beginnen, Aufgaben auch fertigzustellen. Aber halt! Wie können Sie feststellen, wann Ihre Aufgabe aus Ihrer Sicht erledigt ist? Eigentlich ist das ganz einfach. Sie beschreiben wiederum Akzeptanzkriterien: eine „Definition of Done“. Jetzt können Sie jedes Arbeitspaket nach und nach angehen. Schnell wird sich ein Arbeitsfluss einstellen, bei dem die Arbeit flink und einfach von der Hand geht. Wenn das eine Arbeitspaket fertig ist, kann direkt mit dem nächsten begonnen werden. Das ”Cult of Done” Manifesto beschreibt dies treffend wie folgt:

“The point of being done is not to finish, but to get other things done.” – Das Wichtige am Fertigsein ist nicht, etwas abzuschließen, sondern weitere Dinge fertigstellen zu können.

Am Ende des Tages haben Sie ein Lächeln im Gesicht. Sie haben viele Dinge fertiggestellt und können pünktlich zu Feierabend nach Hause fahren. Als Sie jedoch am nächsten Tag zur Arbeit kommen, ist die Hölle los. Die Kollegen, an die Sie Ihre Arbeit gestern weitergegeben haben, sind außer sich: “Das Konzept ist unvollständig!” heißt es. “Dieser Code ist verbuggt!” Beschwerden überall. “Ihre Arbeit ist nutzlos!” scheint das finale Urteil.

Scheinbar ist Ihre Definition of Done vor die Wand gefahren. Niemand interessiert sich für Ihre Akzeptanz-kriterien. Hierzu wieder das “Cult of Done” Manifesto:

“Done is the engine of more.” – Fertigstellung ist der Antrieb für Mehr.

Eben dieses Mehr ist, was Ihre Kollegen mit Ihrer Arbeit machen werden, nachdem sie diese von Ihnen erhalten. Ihr Konzept soll umgesetzt werden. Ihr Code soll integriert und released werden. Ihre Arbeit soll Verwendung finden von Personen, die jedoch ihre eigenen Akzeptanzkriterien verwenden, weil auch sie viel Arbeit auf den Schreibtisch bekommen und ungern nacharbeiten. Das schließt ebenso das Erledigen Ihrer Aufgaben mit ein. Ihre Kollegen haben daher eine ganz eigene Definition of Ready und weisen Aufgaben zurück, die nicht dieser entsprechen. Ihre gesamte Arbeitsleistung befindet sich nun im Niemandsland zwischen Ihrer DoD und deren DoR.

Das wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt, um über dieses grundsätzliche Thema mit ihren Kollegen zu sprechen. Wäre es nicht logisch, deren Definition of Ready mit Ihrer Definition of Done zu synchronisieren? Gleichzeitig scheint es auch sinnvoll, Ihre Definition of Ready mit der Definition of Done eben jener Personen vor Ihnen in der Wertschöpfung abzusprechen, anstatt einfach Arbeitspakete abzuweisen.

Diskutieren Sie doch einmal mit Ihren Kollegen. Vielleicht braucht es gar keine Definition of Done, sondern nur eine gemeinsame Definition of Ready. Denn nichts ist jemals fertig, sondern bereit für den nächsten Schritt. Sind Sie bereit dafür?

Die Autoren

Lorenzo Peroni
Management Consultant

Peter Kalvelage
Senior Consultant