Dynamik methodisch verankern

Agiles Produktmanagement
& Design Thinking.

Prolog: Disruption wagen – agiles Produktmanagement aus Kundensicht.

Wie verkürzt ein Unternehmen seine Time-to-Market? Es muss auf breiter Ebene dynamisch sein. Agiles Produktmanagement erweitert den agilen Ansatz auf alle Bereiche der Produktentwicklung, vom Entwurf der Vision bis zum Rollout. Wer zudem den Kunden strategisch in die Prozesse einbindet, entfaltet disruptive Kraft. Dafür gilt es allerdings, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen.

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Agiles Produktmanagement ist weit mehr als die richtige Ausgestaltung der Rolle des Product Owners. Es beschreibt eine neue Denkweise in der gesamten Produktentwicklung. Denn die Durchdringung von agilen Methoden hat sich längst auf angrenzende Bereiche ausgeweitet. Agile Werkzeuge wie Business Modell Canvas und User Story Maps helfen dem Produktmanager von der Idee bis zur konkreten Ausgestaltung seiner Produkte und Services. Nur durch die richtige Identifikation der Kundenbedürfnisse, durch engen Kontakt und ständigen Austausch kann ein Minimal Viable Product (MVP) zum Wegbereiter für nachhaltigen Erfolg werden.

Schneller zur Marktreife.

Ein agiles Produktmanagement macht sich die zentralen Vorteile der Agilität zunutze und bietet den richtigen Rahmen, um die gesamte Produktion mitzunehmen. Das Potential einer flexibleren Entwicklung und einer schnelleren Reaktion auf Veränderungen wird ausgeschöpft. Produkte und Services erlangen ihre Marktreife deutlich früher und halten sich länger in einer wertschöpfenden Phase. Nur muss man sich auf eines einlassen: Kunden und Stakeholder in den Mittelpunkt des Prozesses zu stellen und ihnen die Möglichkeit zu geben, das Produkt nicht erst nach Fertigstellung, sondern in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess kennen zu lernen.

Lernen, um zu begeistern.

Im Lean Startup-Ansatz wird deshalb auch von validiertem Lernen gesprochen, das in frühen Marktphasen weitaus wichtiger ist als die Menge der umgesetzten Features. Der Markerfolg wird durch Produkte erzielt, die von Ihren Anwendern und Schöpfern gleichermaßen geliebt werden. Es gilt, den Kunden zu begeistern. Er wirkt im Idealfall aktiv an den Ergebnissen einzelner Iterationen durch Feedback mit und notwendige Anpassungen können sofort eingebracht werden.

Chance für disruptive Ideen.

Agiles Produktmanagement, das den Kunden ins Zentrum der Innovation rückt, birgt darüber hinaus die Chance, disruptive Ideen im Unternehmen zur Entfaltung zu bringen. In vielen Unternehmen werden dafür bereits neue Arbeitsformen und crossfunktionale Teams eingesetzt, um Wissen aus verschiedenen Kompetenzbereichen nutzbar zu machen. Dazu werden Kunden und Stakeholdern in die Prozesse strategisch involviert und eine neue Kultur eines freien, schöpferischen Denkens geschaffen, in der es auch erlaubt ist, Fehler zu machen. Oder wie Alberto Giaccometti sagte: „Je mehr ich scheitere, desto erfolgreicher bin ich“. 
In weiteren Artikeln und Beiträgen wollen wir Ihnen das Vorgehen und die Potenziale von Design Thinking in Verbindung mit agilem Produktmanagement näherbringen.

Wie die Methoden des Design Thinking die agile Produktentwicklung bereichern.

Für Simon Schröbel, Consultant bei Cassini, bildet die Verbindung von Design Thinking und agiler Produktentwicklung neue Synergien, um eine beschleunigte Innovation, Kundenzentrierung und Time-to-Market zu erzielen. Der Prozess unterteilt sich in fünf Phasen, von denen er an dieser Stelle drei näher beleuchtet: ideate, prototype, test.

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Design Thinking, Ideation, Rapid-Prototyping: Was zurzeit in aller Munde ist, sind mehr als bloße Buzzwords. Ursprünglich in der Design- und Kreativbranche beheimatet, bereichern diese Methoden auch die agile Produktentwicklung und umgekehrt – zumal es viele Anknüpfungspunkte gibt.
Im Folgenden werden elementare Komponenten des Design Thinking sowie Methoden aufgezeigt, die in Verbindung mit agiler Produktentwicklung enorme Wirkung erzielen – wie kurze Entwicklungszeiten, hohe Kundenorientierung und sofortiges Nutzerfeedback.

Die fünf Phasen des Design Thinking.

Design Thinking ist im Kern eine kreative Methode, um gezielt Kundenbedürfnisse zu erfüllen – unter Berücksichtigung technischer Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Dies gilt nicht nur für das Produktdesign, sondern auch für das Schaffen von Produkten und Produktinnovationen. Die d.school der Stanford University unterteilt Design Thinking in fünf Phasen: Empathize, Define, Ideate, Prototype und Test. Gehen wir kurz darauf ein.

Emphathize fordert den Designer auf, den Nutzer und sein Verhalten zu beobachten. Durch Interviews und Nachempfinden des Nutzerverhaltens werden die gewonnenen Eindrücke verinnerlicht.
Darauf folgt die Define Phase. Hier werden aus den gewonnenen Beobachtungen konkrete Problemstellungen formuliert, aus denen sich Produktideen ableiten lassen.
Diese werden im nächsten Schritt – Ideate – erkundet. Über divergentes Denken wird ein Lösungsraum geöffnet. Dazu gleich mehr.
Greifbar werden die entwickelten Lösungsansätze in der nächsten Phase des Prototype. Der Lösungsansatz wird sichtbar gemacht.
Das Nutzerfeedback wird in der letzten Phase Test eingeholt, anschließend verfeinert und unter minimalem Aufwand ausgerollt.
Wir wollen im Weiteren auf drei elementare Design Thinking Phasen eingehen, um sie für neue Potenziale mit der agilen Produktentwicklung zu kombinieren.

Ideate: Verlasse gewohnte Denkmuster.

Zunächst Ideation: Was heißen „divergentes Denken“ und „Lösungsraum“ genau? Ganz einfach: Hier haben alle Ideen Platz, insbesondere diejenigen, die zunächst utopisch oder unrealistisch erscheinen. Denn erst wer divergent, also entgegengesetzt denkt und gewohntes Terrain verlässt, hat die Chance, Neues entdecken. So wird der Nukleus für Innovation gelegt. Gelingen kann dies durch Brainstorming, Brainwriting, Crazy 8s oder eine Idea Wall.
Um aus dem Pool der Ideen machbare Lösungen zu filtern, werden wiederum die Methoden des konvergenten Denkens eingesetzt. Sei es das Art Museum oder die Heat Map, auch das Voting und konstruktive Diskussion eignen sich um geeignete Lösungen zu identifizieren.
Die Phase des Ideate hat viel mit dem agilen Ansatz der Produktentwicklung gemeinsam –– im agilen Manifest sind die Werte Kundenzentriertheit und das Reagieren auf Veränderungen zentral verankert. Die Produktentwicklung wird gestartet, obwohl nicht alle Anforderungen bekannt sind und kein vollständiges Bild der Lösung existiert, zum Beispiel Scrum. Das heißt, in beiden Ansätzen gilt das Prinzip, das Unbekannte in Kauf zu nehmen und möglichen Lösungen offen gegenüber zu stehen. Der Vorteil ist, dass ungeahnte Lösungen am Ende stehen können, die in der klassischen Produktentwicklung oft im Vorhinein gescheitert wären.

Prototype: Schaffe eine Vorstellung von der Idee.

Über Prototypen werden die generierten Lösungsansätze im Design Thinking Modell sichtbar. Hier ist es wichtig, keine perfekte Lösung zu bauen. Der Prototyp dient allein dem Ziel, den Lösungsansatz sichtbar zu machen.
Hierzu eignen sich Kreativmethoden wie Mock-Ups, Dummys oder Storyboards. Indem die Idee teilbar gemacht wird, kann der Prototyp validiert werden. Dies entspricht ganz der agilen Philosophie des „fail earlier, succeed sooner“.
Danach startet der Prozess erneut – Ideate, Prototype, Validate. Im Prinzip also das, was wir aus der agilen Softwareentwicklung mit Iterationen kennen. Durch die Wiederholung der Schritte entsteht ein kontinuierlicher Prozess der Verfeinerung und Präzisierung des Prototyps. Hier können zum Beispiel agile Methoden wie Scrum oder Kanban adaptiert werden. In einem Sprint Review wird das Inkrement analysiert, um das Backlog anzupassen. Das heißt, dieser Stelle wird der „Prototype“ auf die Kundenbedürfnisse hin überprüft und, wenn notwendig, angepasst. Vergleichbar hierzu ist der Operations Review im Kanban Vorgehensmodell, der der kontinuierlichen Verbesserung des Produktes dient. In beiden Modellen, Scrum und Kanban, wird in regelmäßigen, kurzen Abständen das (unfertige) Produkt an den Bedarf des Kunden angepasst.

Test: Mache den Kunden zum Chefentwickler.

Auf den Prototype folgt im Design Thinking Modell der Test. Hier wird der Prototyp dem Nutzer vorgestellt, um ihn weiter zu verbessern und an den Bedarf anzupassen. Dazu eignen sich Usability Tests, Interviews und Screenings. Der Kunde wird gleichsam zum Chefentwickler des Produkts. Sein Feedback entscheidet über alles. Es wird permanent gesammelt, geprüft und in den Prototypen integriert. Je nachdem, wie das Feedback verläuft, kann es notwendig sein, einen oder mehrere Schritte zurückzugehen und wieder in die Ideation Phase einzusteigen. Welche Phase erneut durchlaufen wird, muss situativ betrachtet werden.

Um aus dem Prototypen ein valides Produkt zu erzeugen, ist er in ein MVP (Minimum Viable Product) zu überführen. Das MVP wird auch am Kunden verprobt. Wie beim Prototype kann man auch hier die Methoden aus der Test Phase heranziehen.

Lernen, verändern, verbessern: Zyklen wie diese sind auch in der agilen Produktentwicklung Gang und Gäbe. So bringen schnelle Sprints das Produkt flexibel zur Reife. Dabei wird in einem 5-Tages-Prozess – von der Problemstellung über den Prototypen bis hin zur Validierung beim Kunden – der Produktentwicklungsprozess auf ein Minimum verkürzt. Dies belegt erneut die Synergien beider Methoden.

Unabhängig von der Methodik sollte der Fokus stets auf die konkrete Problemstellung, die Zielgruppe und den Nutzen gerichtet sein. So trivial dies klingt, so leicht verliert man sich im Tagesgeschäft. Für eine erfolgreiche agile Produktentwicklung mit den beschriebenen Methoden müssen die dafür notwendigen Ressourcen, Zeit und Scope klar definiert und verfügbar sein.

Ein Facilitator kann helfen, den Prozess zum Erfolg zu führen, denn Design Thinking und agile Produktentwicklung bilden eine Symbiose: Produktinnovation, hohe Kundenakzeptanz, niedrigere Entwicklungskosten und eine verkürzte Time-to-Market.

Ihr Ansprechpartner:
Simon Schröbel
Consultant
agile(@)no-spam.cassini.de 

Design Thinking verankern: Vier Voraussetzungen, um vorzudenken.

Design Thinking verändert vieles im Unternehmen. Insbesondere bedeutet es einen Bruch mit gewohnten Denkmustern. Aber nur so kann wirkliche Innovation und Pioniergeist erzielt werden. Wer die Voraussetzungen dafür schaffen will, muss eine neue Offenheit etablieren: in den Köpfen und der Kultur. 

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Im Kern sind 4 Faktoren entscheidend, um eine Organisation zu Design Thinking zu befähigen.

1. Leadership: Führen mit Fehlerkultur.

  • Führungskräfte sollten die Initiatoren von Design Thinking sein, indem sie Kreativmethoden bewusst einsetzen und Raum für Ideen schaffen.
  • Mitarbeiter dürfen und sollen Fehler machen. Denn nur durch das Verlassen der Komfortzone und dem Ausprobieren des Neuen kann Innovation entstehen.
  • Die Führungsebene kann dabei helfen, Ideen tatsächlich auch in Aktionen umzusetzen, indem sie die Rahmenbedingungen für kreative Denkprozesse und letztlich auch Innovationen setzen.
  • Neue Ideen sollten begrüßt werden und die Hierarchie sollte der Ideenfindung nicht im Wege stehen.


2. Prinzipien: Der Kunde im Fokus.

  • Design Thinking ist ein Mindset für den Umgang mit Herausforderungen.
  • Design Thinking nutzt Kreativitätstechniken zum Lösen von Herausforderungen, stets mit dem Kunden/Nutzer im Fokus.
  • Design Thinking ist eine Technik, um Probleme und Benutzungswünsche von Kunden zu erkennen und zu lösen.
  • Design Thinking verhilft zu kreativem Selbstbewusstsein: dem Grundstein für Innovation.
  • Design Thinking ist ein Ansatz, um Innovationen und Neuerung nicht nur einmalig, sondern regelmäßig zu generieren. 


3. Mindset: Jeder Mensch ist kreativ.

  • Im Design Thinking gibt es keine kreativen und unkreativen Typen. Jeder hat eine schöpferische Gabe. Dafür gibt es Methoden, die natürliche Kreativität und Energie freisetzen, um Lösungen zu finden.
  • Innovation ist der Schlüssel zu mehr Wachstum und sogar zum Überleben des Unternehmens. Kreative Denkweisen führen zu notwendiger Veränderung und Neuerung.
  • Design Thinking in der agilen Produktentwicklung verhilft zu einem neuen kreativen Mindset, das kreatives Potenzial freisetzt. Kreativität meint nicht, künstlerisch zu sein, sondern erfinderisch.
  • Fail sooner: Wenn Ideen noch nicht ausgereift sind, kann Design Thinking dies in der agilen Produktentwicklung frühzeitig anzeigen. So werden Zeit und Kosten gespart.


4. Kommunikation: Nutze alle Kanäle.

  • Um ein Umdenken hin zu Design Thinking zu fördern, ist es entscheidend, dies im Unternehmen auf möglichst vielen Kommunikationskanälen zu verbreiten.
  • Ausgewählte Mitarbeiter sollten als Botschafter/Experten benannt werden und eine Kompetenz für Design Thinking aufbauen. Sie können als Multiplikatoren die Idee von Design Thinking innerhalb der Organisation verbreiten.
  • Der notwendige Mindset wird weiterentwickelt und kommuniziert.