28.03.2018  Verfasst von Jelka Lohmann in Agile Methoden  

Design Thinking kann jeder. Wirklich?

Ein „Creative Mindset“ wird als Grundvoraussetzung für Design Thinking oft unterschätzt.

Design Thinking ist für das Schaffen von Innovation inzwischen eine etablierte Methode. Die Einsatzgebiete reichen weit über die bloße Produktentwicklung hinaus. Auch in der IT und zur Service-, sowie Businessentwicklung wird Design Thinking vielerorts eingesetzt.

Sowohl die verkürzte Time-To-Market, das Outside-The-Box-Denken und die daraus resultierenden innovativen Ideen, als auch der iterative Entwicklungsansatz mit ständigem Userfeedback konnten am Markt überzeugen.

Doch gibt es eigentlich eine Grundvoraussetzung für den Einsatz von Design Thinking, die über die Vorab-Zustimmung des Managements hinausgeht? Kann jeder ein Design Thinker sein? Und wie viel Vorarbeit muss geleistet werden, bevor Design Thinking als Methode zum Einsatz kommen kann?

Da die eigentliche Problemstellung/ Challenge erst im Design-Thinking-Prozess herausgearbeitet und definiert wird, lässt sich Design Thinking grundsätzlich für fast jede Fragestellung einsetzen. Die zentrale Voraussetzung hierbei ist weitestgehend bekannt: Neben der Problemstellung muss auch das Ergebnis zu Prozessbeginn offen sein.

Doch nur das Commitment zu einem solchen offenen Prozess stellt noch keine ausreichende Grundvoraussetzung für den Einsatz von Design Thinking dar. Zusätzlich muss in jedem Unternehmen, unabhängig von Art und Größe, ein Mindset geschaffen werden, das einen kreativen Prozess erlaubt und diesen sogar befruchtet. Dieses „Creative Mindset“ sollte im Unternehmen, wie auch bei jeder am Kreativprozess beteiligten Person etabliert sein.

David Kelley, einer der Gründer des Design-Thinking-Unternehmens IDEO1), sagte hierzu einmal in einem Interview2) zum Thema Design Thinking sehr passend: „Often people think of their creativity as god-given; not as a process that you can do.”

Kreativität ist ein Prozess und lässt sich folglich auch wie jeder andere Prozess triggern, steuern, verbessern und lenken. Oft wird Kreativität heutzutage fälschlicherweise mit „künstlerisch“ gleichgesetzt, dies ist ein Trugschluss. Es ist vielmehr die Fähigkeit kreativ zu denken und kreative Lösungen für Probleme zu finden. Kreatives Denken bedeutet, von gewohnten Mustern abzuweichen, Bekanntes hinter sich zu lassen und neue Wege zu wagen.

Das „Creative Mindset“ hilft hierbei auf zweierlei Arten. Es verleiht zum einen das notwendige Selbstbewusstsein („Creative Confidence“), damit sich jede, am Kreativprozess beteiligte Person mit eigenen Ideen einbringen kann. Dies geschieht durch vermeintlich einfache Übungen, welche die Beteiligten dazu bringen, ihre Komfortzone zu verlassen und mit einer Hands-On-Mentalität zu agieren, indem sie kreatives Denken und Handeln fördern. Zum anderen beinhaltet das „Creative Mindset“ ein Set an Regeln und Werten, die den Rahmen für einen erfolgreichen Kreativprozess in einer Gruppe bilden. Diese Regeln und Werte steuern den Umgang miteinander und etablieren eine gesunde Fehlerkultur. Beides ist für einen erfolgreichen Kreativprozess ausschlaggebend.

Fail early and often
Um eine solche Fehlerkultur sicherzustellen ist eine der wichtigsten Regeln des „Creative Mindsets“ daher „Fail early and often“. Im Design-Thinking-Prozess geht es darum möglichst viele Ideen auszuprobieren und zu testen, um dann aus den gewonnenen Erfahrungen zu lernen. Daher ist es unumgänglich, dass „Fehler“, bzw. Erfahrungen gemacht werden können. Zusätzlich ist es wichtig, die Angst vor Fehlern zu nehmen, nur so entsteht ein freier Denkraum für die Beteiligten, indem – ohne schwerwiegende Konsequenzen – Ideen ausprobiert werden können.

Encourage Wild Ideas & Defer Judgement
Es sollen genau solche Ideen gefördert werden, die ungewöhnlich sind, vielleicht auf den ersten Blick sogar etwas verrückt erscheinen. Um solche Art Ideen hervorzulocken ist es zwingend notwendig, dass jede Idee erst einmal eine Grundberechtigung hat, unabhängig von der Art und Machbarkeit. Daher sollten alle Ideen im ersten Schritt weder be- noch verurteilt werden. Aus diesem Grund gibt es die Regeln „Encourage Wild Ideas“ und „Defer Judgement“. Es ist stets einfacher eine „wilde Idee“ zu zähmen, als eine langweilige Idee interessant zu machen.

Go for Quantity
Aus einem ähnlichen Grund ist es auch sinnvoll zu Beginn möglichst viele Ideen zu generieren – „Go for Quantity“. Die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass bei einer Vielzahl von Ideen eine interessante dabei ist, als dass unter lediglich fünf Ideen eine bahnbrechend innovative zu finden.

Be Visual
Das „Creative Mindset“ fördert und fordert visuelles Arbeiten („Be Visual“). Bei Design Thinking geht es darum eine Idee möglichst erlebbar und anschaulich zu machen, damit der Kunde bzw. User Feedback darauf geben kann. Dies entsteht anhand von Prototypen und visuell veranschaulichten Ideen.

Beachtet man die mit dem „Creative Mindset“ einhergehenden Regeln und baut mit Hilfe dieser und einiger Übungen bei den beteiligten Personen ein kreatives Selbstbewusstsein auf, so sind die wichtigsten Grundvoraussetzungen für den Design-Thinking-Prozess geschaffen.

Quelle:
1)    https://www.ideo.com
2)    https://www.youtube.com/watch?v=cSMZ3ioQ7rc

Literatur:
https://www.creativeconfidence.com
Kelley, David & Kelley, Tom (2014). Creative Confidence: Unleashing the Creative Potential Within Us All. HarperCollinsPublishers.

Die Autorin:
Jelka Lohmann
Consultant
agile(@)cassini.de