17.10.2018  Verfasst von Dana Nitzsche in Agile Methoden  

Riding The Elephant – eine Metapher für nachhaltige Verhaltensänderung

Wie Verstand und Emotion zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung geführt werden können.

Das Ablegen alter Gewohnheiten und Verhaltensweisen ist schwer. Änderung von Verhalten allgemein ist schwer. Geht es euch auch so? Früher ins Bett gehen, gesund essen, regelmäßig Sport treiben… die Liste ist lang, insbesondere der Dinge, die wir uns vornehmen, aber irgendwie nicht schaffen durchzuhalten.

Auch in der Arbeitswelt wird die Fähigkeit zur (Verhaltens-)Änderung zum kritischen Erfolgsfaktor für Unternehmen und am Ende ist jeder einzelne Mitarbeiter direkt davon betroffen. Organisationen müssen schnell und flexibel reagieren. Klassische Vorgehensweisen werden durch andere, zeitgemäße Konzepte, wie beispielsweise Agilität und Lean-Prinzipien, abgelöst.

Auf die Frage, warum es also so schwierig ist, sich von alten Verhaltensweisen zu trennen, auch wenn Vorgehen, System, Arbeitsweise etc. in neuer Gestalt nachweislich besser, effizienter und einfacher ist, hat Jonathan Haidt in seinem Buch „Die Glückshypothese“ mit einer Metapher geantwortet.

Im Zentrum steht die Annahme, dass es in unserem Gehirn zwei separate Systeme gibt – ein rationales und ein emotionales System. Die These der Unterscheidung zwischen zwei Arten des Denkens hat Daniel Kahnemann (Buch „Thinking, Fast and Slow“) bereits eingeführt. Haidt schlägt vor, sich diese beiden Systeme als einen Reiter auf einem Elefanten vorzustellen.

Der Reiter repräsentiert den logischen, rationalen Teil des Gehirns. Dieser ist verantwortlich für Analyse, Planung und Problemlösung.

Der Elefant ist ein emotionales Gemütstier und steht für unsere Emotionen. Dies ist auch das System, welches unsere Handlungen antreibt. Hierbei wird der Elefant das Angenehme suchen und das Unangenehme meiden.

Dass Logik und Rationalität einen relativ kleinen Anteil in der Steuerung unseres Verhaltens haben, ist inzwischen weithin bekannt. Und dennoch verlassen wir uns immer noch darauf, dass Rationalität und die Logik hinter einer bestimmten Idee unser Verhalten positiv beeinflussen.

Seht es mal so: Der Reiter kann versuchen den Elefanten zu führen oder in eine bestimmte Richtung zu ziehen. Aber wenn sich die beiden uneinig sind, was glaubt ihr wer sich durchsetzt? Der Elefant hat gegenüber dem Reiter einen Gewichtsvorteil von etwa sechs Tonnen. Und genau diese ungleichen Voraussetzungen sind der Grund dafür, warum die nachhaltige Änderung von Verhalten so schwierig ist.

Dan Heath und Chip Heath folgten in Ihrem Buch „Switch: How to Change Things When Change Is Hard“ daraufhin für die Implementierung von Veränderung, dass:

  • der Reiter Richtungsvorgaben benötigt um am Ziel anzukommen,
  • der Elefant motiviert werden muss, indem seine Emotionen angesprochen werden und letztlich
  • auch der Weg geebnet werden muss, damit die beiden schnell und ohne größere Hindernisse ans Ziel kommen.                                                                                    

Jetzt mal etwas konkreter:

#1 Dem Reiter die Richtung vorgeben

Der Reiter benötigt Klarheit und Ausrichtung um Entscheidungen zu treffen und den Elefanten in die richtige Richtung zu führen.

Was also tun, um nicht unterzugehen in dem riesigen Berg an Informationen, die wir täglich vor uns haben, und aufgrund der vielen Entscheidungsmöglichkeiten in die „Analysis paralysis“ zu verfallen und letztlich untätig zu bleiben? Es hilft, die kritischen Schritte hin zum Ziel vorzudenken und zu planen. Orientiert euch dabei an Infos, die einen echten Mehrwert schaffen, an Lösungen, die bereits implementiert sind und funktionieren, und an Menschen, die Teile des Weges bereits mit sehr guten Resultaten gegangen sind und inspirieren.

Und mit einem positiven und klaren Zielbild vor Augen, z.B. einer schönen Reisedestination, kann der Reiter sich zwischen unterschiedlichen Alternativen entscheiden. Auch der Elefant wird davon angesprochen. Wenn Reiter und Elefant das gleiche Ziel erreichen wollen, fällt die Verhaltensveränderung logischerweise sehr viel leichter.

#2 Den Elefanten motivieren

Meistens wird der träge Elefant als das große Hindernis gesehen, aber in erfolgreichen Veränderungsinitiativen wurde dieser als die treibende Kraft eingesetzt.

Wie kann das funktionieren? Der Schlüssel zur effektiven Verhaltensänderung liegt darin, dass Reiter und Elefant gemeinsam in Bewegung kommen. Am besten funktioniert das, indem eine starke positive Emotion mit der Veränderung verbunden wird. Dieser Teil unseres Gehirns erfährt Motivation und Zuversicht durch kleine, aber sichtbare Erfolge, die einen konkreten Mehrwert liefern. Gebt euch die Zeit, an der Herausforderung zu wachsen. Indem der Weg hin zum erwünschten Ziel in kleine Schritte heruntergebrochen wird, werden kontinuierlich sichtbare Fortschritte erzielt. Denn unser Verstand ist nicht festgelegt und starr, sondern eher wie ein Muskel in der Lage, immer wieder neue Dinge dazu lernen, zu wachsen und sich anzupassen.

#3 Den Weg ebnen

Häufig ist das eigentliche Problem situationsbedingt. Indem im übertragenen Sinn der Weg geebnet wird, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Verhaltensänderung unabhängig davon, was Reiter und Elefant machen.

Stelle sicher, dass der Elefant dem Weg, den er gehen soll, so leicht wie möglich folgen kann. In der Regel verändert sich Verhalten, wenn sich das Umfeld ändert. Also verändere das Umfeld.

Der Reiter, sprich das rationale System in unserem Gehirn, wird schnell müde, wenn besonders viel zu entscheiden und zu analysieren ist. Gewohnheiten sind weit weniger anstrengend, da sie unbewusst ablaufen (per „Autopilot“ nach Hause fahren) und den Reiter somit nicht belasten. Fördere also gezielt Gewohnheiten und Rituale. Es macht Sinn sich dabei mit den „verhaltensauslösenden Impulsen“ zu beschäftigen, sprich unter welchen Konditionen ein bestimmtes Verhalten gefördert wird. Beispiel: Wann bist du am ehesten motiviert joggen zu gehen? Wann, Hausarbeit zu erledigen? Und schlussendlich folgen wir gern dem Vorbild anderer, insbesondere in Zeiten der Veränderung, wenn das Umfeld neu oder noch unklar ist.

Die Autorin:
Dana Nitzsche
Consultant
agile(@)cassini.de